Nachhaltige Dämmstoffe und Energieeffizienz: Von Naturmaterialien bis Aerogel

Natürliche und nachwachsende Dämmstoffe

Holzfaserdämmungen mit CO₂-Bindung

Holzfaserplatten gelten als besonders umweltfreundlich, da sie den nachwachsenden Rohstoff Holz verwenden und langfristig Kohlenstoff binden. Das Wärmedämm-Verbundsystem StoTherm Wood nutzt Holzweichfaserdämmplatten, die ökobilanziert nach DIN EN 15804 als CO₂-negativ bewertet werden – wachsende Bäume binden mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre, als bei der Produktion freigesetzt wird. Mit einer Wärmeleitgruppe von WLG 038 und einer Dichte von 110 kg/m³ bieten die Platten eine starke Dämmleistung bei vergleichsweise geringem Gewicht. Sie sind PEFC-zertifiziert und eignen sich für hinterlüftete Fassaden sowie zur Einblasdämmung von Gefachen.

Nachhaltige Dämmstoffe und Energieeffizienz: Von Naturmaterialien bis Aerogel
© Jhs190 (CC BY-SA 4.0)

Als ökologische Alternative zu konventionellen WDVS bietet GUTEX ebenfalls ein Sortiment aus Holzfaser-Einblasdämmung (Thermofibre) für horizontale Flächen und Gefache sowie verputzbare Dämmplatten wie die Thermowall-L für Wärmedämm-Verbundsysteme.

Schafwolle als atmungsaktiver Dämmstoff

Die Fisolan AG verarbeitet jährlich bis zu 220.000 Tonnen Schweizer Schafwolle zu Dämmstoffen. Schafwolle kann über 30 Prozent ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne die Isolationsleistung zu verlieren. Diese Eigenschaft reguliert das Raumklima natürlich und wirkt als Feuchtigkeitspuffer. Zudem binden enthaltene Aminosäuren Schadstoffe wie Formaldehyd und Ozon.

Das Sortiment umfasst grifffeste Dämmplatten, Dämmvlies auf Rollen, Flockenwolle zum Einblasen sowie Fugenzöpfe für Fenster- und Türanschlüsse. Schafwolle ist schwer entflammbar (Entzündung erst bei ca. 560 °C) und setzt bei Brand keine giftigen Gase frei. Aufgrund der feinen Kräuselung der Fasern bietet sie zudem guten Schallschutz auf Böden.

Stroh und Lehm im ökologischen Holzbau

Beim ökologischen Holzbau kommen neben Holz auch Stroh und Lehm zum Einsatz. Die A. Gantenbein Holzbau AG setzt auf Strohdämmung in Kombination mit massiven Holzständern und natürlicher Aussteifung ohne Industrieprodukte. Kalkputz oder Lehmputz sorgen für atmungsaktive, diffusionsoffene Wände, die Feuchtigkeit nach außen transportieren und ein gesundes Raumklima gewährleisten. Ein Beispielprojekt ist die Spielgruppe „Storchennest“ in Grabs, die vollständig aus Holz, Strohdämmung und Lehm errichtet wurde.

Hochleistungsdämmungen und innovative Systeme

Aerogel für Minimaldicken und Denkmalschutz

Silikat-Aerogel gehört mit Werten von 14 bis 20 Milliwatt pro Meter Kelvin (mW/mK) zu den effektivsten Dämmstoffen. Es besteht zu bis zu 98 Prozent aus Luft und ermöglicht extrem dünne Dämmschichten. Im Neubau an der Zürcher Hohlstrasse wurde eine nur acht Zentimeter dicke Aerogel-Dämmung verbaut, um die Nutzfläche zu maximieren. Für denkmalpflegerisch sensible Fassaden eignet sich Aerogel-Wärmedämmputz, wie am Beispiel einer historischen Mühle aus dem 15. Jahrhundert in Sissach gezeigt, wo das Gebäude energetisch saniert wurde, ohne dessen äusseren Charakter zu verändern.

Vakuumisolierpaneele (VIP)

Vakuumisolierpaneele bieten den Vorteil hoher Dämmleistung bei minimaler Dicke, was bei beengten Platzverhältnissen oder der inneren Verdichtung von Nutzflächen relevant ist. Die ZZ Wancor AG verfügt seit 2003 über ein eigenes Versuchs- und Prüfdach in Zusammenarbeit mit der Empa. VIPs werden zunehmend im Elementbau sowie bei der Sanierung von Lukarnen, Radiatornischen und Terrassendämmungen eingesetzt.

Zertifizierte ökologische WDVS

Das System StoTherm Mineral erhielt als erstes Wärmedämm-Verbundsystem das eco1-Zertifikat von ecobau und eignet sich besonders für ökologische Bauten. Das System StoTherm AimS optimiert Ressourcenschonung durch einen Bindemittelanteil von 30 Prozent auf Basis von Kiefernöl statt Erdöl. EPS-basierte Systeme wie StoTherm Classic weisen über die Lebensdauer ein Einsparpotenzial von circa 1.100 kg CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter auf, bei Herstellungskosten von nur 20,2 kg CO₂e/m².

Wirtschaftlichkeit und Energieeinsparung

TIPCHECK: Standardisierte Energieaudits für Industrie

Das TIPCHECK-Energieaudit nach EU-Norm EN 16247 analysiert Anlagenisolationen in Industriebetrieben mittels Wärmebildkamera. Das Potenzial in Schweizer Industrieanlagen wird auf über 325 Kilotonnen CO₂-Reduktion und 123 Kilotonnen Öleinheiten Energieeinsparung pro Jahr geschätzt. Das Audit deckt Energie-, CO₂- und Kostensenkungspotenziale auf und liefert innerhalb von zwei Wochen einen Bericht mit Executive Summary und Detailauswertung pro Komponente. Die Umsetzung von Optimierungen amortisiert sich häufig nach vier bis fünf Jahren.

Heizkosteneinsparung durch nachträgliche Dämmung

Bei einem beispielhaften Einfamilienhaus mit 110 m² Wohnfläche und jährlichen Heizkosten von 2.400 Euro entweichen etwa 30 Prozent der Wärme durch die Fassade. Eine Einblasdämmung der Hohlschicht mit Glaswolle oder Steinwolle kann den U-Wert erheblich verbessern:

HohlschichtU-Wert-VerbesserungHeizkosteneinsparung/Jahr
4 cmca. 61 %ca. 430 € (18 %)
8 cmca. 78 %ca. 550 € (23 %)

Bei Investitionskosten von rund 2.750 Euro (abzüglich 20 Prozent steuerlicher Förderung auf 2.200 Euro netto) amortisiert sich die Massnahme bereits nach etwa vier Jahren. Moderne Dämmstoffe wie Glaswolle und Steinwolle sacken nicht ein und behalten ihre Form dauerhaft.

Brandschutz und technische Isolierung

Systemlösungen für Gebäude und Industrieanlagen

Neben energetischen Aspekten muss Dämmung auch vor Feuer und Schall schützen. Smart Isolierungen GmbH bietet für Sanitär-, Heizungs-, Lüftungs- und Kälteleitungen Isolierungen aus PIR-Hartschaum, Mineralwolle oder synthetischem Kautschuk an, kombiniert mit Brandschutzlösungen wie Foamglas (nichtbrennbar) oder Armaflex Protect. Brandschutzmanschetten und Abschottungen sichern Rohrdurchführungen gegen Feuer- und Rauchübertragung.

Die Zisola AG ergänzt das Sortiment mit Hochleistungsdämmstoffen wie VIP und Foamglas sowie konventionellen Materialien wie EPS, XPS und PIR. Der Betrieb ist ISO-zertifiziert und produziert mit Solarstrom aus eigener Anlage sowie Ökostrom aus Wasserkraft. Viele Produkte tragen das ECO-Label und sind am Ende der Nutzungsphase recyclebar.